Im Fokus des Frankreich-Schocks – Fondspreis reduziert sich im Juni um – 3,7 %

Jochen ReichertNewsletter

 Macron’s Ankündigung, Neuwahlen durchführen zu lassen, hat zu Verwerfungen an den Märkten geführt und negative Auswirkungen auf unser Portfolio gehabt. 

Im Juni sind die US-amerikanischen und europäischen Aktien Märkten stark auseinandergelaufen. So stiegen der Nasdaq um +6,0 %, S&P500 +3,5 % – der DAX40 ging um -1,4 % und EUROSTOXX50 um -1,8% zurück. Europäische Midcaps fielen noch deutlich stärker (z.B. MDax -5,8%). Wesentlich für die stark auseinanderlaufende Entwicklung war die Ankündigung Macron’s, nach den Ergebnissen der Europawahl überraschend Neuwahlen für das französische Parlament anzukündigen. Schlagartig weitete sich der Spread zwischen 10jährigen deutschen Staatsanleihen und französischen Anleihen stark aus, der französische Aktienindex ist daraufhin im Juni regelrecht eingebrochen und ging um – 6,4 % zurück. 

In diesem Umfeld zeigte der Geostrategy Fund (I-Tranche) eine schwache Entwicklung und reduzierte sich um – 3,7 %. Zum Zeitpunkt von Macron’s Ankündigung waren rund 16 % unseres Portfolios in französischen Aktien investiert. Rund die Hälfte des Rückgangs des Fondspreises sind auf unsere Investments in französische Aktien zurückzuführen.

Schauen wir uns einmal unsere wesentlichen französischen Aktienpositionen an: 

(1) Assystem (ca. 3,2 % Gewichtung vor Neuwahlankündigung, Kursrückgang ca. 15 %) ist ein Dienstleister für die Atomenergie, im Wesentlichen Wartung, Betrieb und Planung von Atomkraftwerken. Rund 75 % der Umsätze werden in Frankreich erzielt. Das Risiko besteht darin, dass Teile des Links-Bündnis um M. Gegner der Atomkraft sind. Sollte das Linksbündnis an die Macht kommen, würden daraus Risiken für Assystem resultieren. Aus unserer Sicht ist es jedoch unrealistisch, dass Frankreich aus der Atomkraft aussteigen kann, da es die Hauptenergiequelle in Frankreich ist. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass das Linksbündnis den Ministerpräsidenten stellen wird. Daher gehen wir davon aus, dass sich die Assystem-Aktie wieder erholen wird. 

(2) Mersen (ca. 4,0 % Gewichtung vor Neuwahlankündigung, Kursrückgang ca. 16 %) produziert künstliches Graphit und hat sich im Bereich Siliziumcarbid positioniert. Der Frankreich-Anteil am Umsatz beträgt rund 15 %. Nach dem Kurssturz liegt das KGV für die Aktie bei 9 – und dies bei strukturellem Umsatzwachstum sowie auskömmlichen Gewinnmargen. Aus unserer Sicht dürfte selbst unter dem unrealistischen Szenario eines linksextremen Ministerpräsidenten die Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn von Mersen begrenzt sein. Daher ist der starke Kurseinbruch nicht gerechtfertigt. 

(3) Exail (ca. 2,5 % Gewichtung, ca.21 % Kursrückgang) entwickelt technologisch komplexe Komponenten und Systeme für Navigation, Ortung, Seekarten und Seeminen-Räumung. Rund 70 % der Umsatzerlöse werden im militärischen Bereich erzielt. Bei einem Wahlsieg der RN (Partei von Marie le Pen) oder des Linksbündnisses wird befürchtet, dass öffentliche Mittel weg von Verteidigung hin zu sozialen Ausgaben verschoben werden. Jedoch vertreibt Exail ihre Lösungen weltweit. Zudem gehen wir nicht davon aus, dass die RN die Verteidigungsausgaben kürzen würde. Da die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsieges des Linksbündnisses sehr gering ist, gehen wir davon aus, dass sich nach dem zweiten Wahlgang der Kurs des Technologieunternehmens erholen wird. 

Geostrategie: Frankreich im Blickpunkt der europäischen Märkte

Was wird in Frankreich gewählt: In Frankreich wird die Nationalversammlung gewählt, die aus 577 Abgeordneten besteht. Die Nationalversammlung ist Bestandteil des Parlaments, welches aus zwei Kammern besteht (zweite Kammer: Senat). Wichtig dabei ist, dass der Ministerpräsident NICHT von der Nationalversammlung gewählt wird, sondern vom Präsidenten (Macron) bestimmt wird. Der Präsident ist jedoch durch die Verfassung angehalten, die Sitzverhältnisse im Parlament zu berücksichtigen. Wichtig ist auch, dass der Ministerpräsident mit seiner Regierung weitreichende Gesetzgebungskompetenzen insbesondere für Sozial- und Innenpolitik hat, sofern die Mehrheiten in der Nationalversammlung dafür gefunden werden. 

Wie wird gewählt: Die Wahl zur Nationalversammlung ist eine Mehrheitswahl, die Mitglieder werden über zwei Wahlgänge bestimmt. Im ersten Wahlgang gewinnt der Kandidat, der mehr als 50 % der abgegebenen Stimmen und mindestens 25 % der im Wahlbezirk zugelassenen Wähler erhält. Für den zweiten Wahlgang ist jeder Kandidat zugelassen, der mindestens 12,5 % der Stimmen der zugelassenen Wähler bekommt. Im Zweiten Wahlgang gewinnt der Kandidat, der die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen kann. Insgesamt werden 577 Kandidaten gewählt.  

Was ist bisher passiert: Der erste Wahlgang hat am 30. Juni 2024 stattgefunden. Rassemblement National (RN, Marine le Pen) konnte c. 33 % der Stimmen verbuchen und ging damit als stärkste Kraft hervor. Das Linksbündnis Nouveau Front (Linkspartei, Kommunisten, Sozialisten, Grüne) lagen bei c.  28 % und das Lager von Präsident Emmanuel Macron kam auf rund 20 %. 

Was macht die Wahl so gefährlich für die Märkte: Frankreich ist bereits jetzt mit rund 110% der Wirtschaftskraft (BIP) verschuldet. Im Vergleich dazu liegt der Verschuldungsgrad Deutschlands bei rund 65%. Sowohl RN als auch das Linksbündnis sind mit Wahlversprechen angetreten, die Sozialausgaben zu erhöhen und die Rentenreform von Macron rückgängig zu machen. Im Falle des Linksbündnisses wird geschätzt, dass Mehrausgaben von mehr als 100 Mrd. Euro (pro Jahr!) auf Frankreich zukommen würden. Dies würde nicht nur die Finanzstabilität Frankreichs gefährden, sondern könnte die gesamte EU in eine erneute Finanzkrise stürzen. 

Was ist am 7. Juli zu erwarten: Am 7. Juli findet der zweite und entscheidende Wahlgang zur Nationalversammlung statt. Im ersten Wahlgang stehen bisher nur c. 80 Kandidaten fest, die im ersten Wahlgang mehr als 50 % der Stimmen gewinnen konnten. Demnach sind noch rund 490 Plätze für die Nationalversammlung zu vergeben. Aus unserer Sicht gibt es drei realistische Szenarien. Zu berücksichtigen ist, dass es in der zweiten Wahlrunde es viele taktische Überlegungen gibt. Es haben rund 200 Kandidaten angekündigt, zur Stichwahl nicht mehr anzutreten, so dass die Chancen der RN in den betroffenen Wahlbezirken sinken und die Chancen der Kandidaten des Linken Bündnisses oder des Macron-Lagers steigen. 

Szenario 1 – Rassemblement National (RN, Marine le Pen) gewinnt die absolute Mehrheit  der Sitze oder kann eine Mehrheit mit einem Partner bilden: Macron bleibt nichts anderes übrig, als ein Kandidat der RN als Ministerpräsidenten zu ernennen. Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte und auf den Spread zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen dürften begrenzt sein. Le Pen wird durchsetzen, dass eine „moderate“ Innenpolitik ohne nennenswerte Ausgabenprogramme durchgeführt wird, da Le Pen die französische Präsidentschaft im Jahr 2027 anstrebt. Wir rechnen damit, dass sich die französischen Aktienmärkte unter diesem Szenario erholen wird. 

Szenario 2 – Keine Parteiengruppe gewinnt die Mehrheit und keine Partei gelingt es, mit Bündnissen eine Mehrheit in der Nationalversammlung zu erreichen: Unter dieser Konstellation wird Frankreich schwer zu regieren zu sein. Die Verfassung ermöglicht dem Präsidenten den Weg einer sogenannten Technokraten-Regierung. Allerdings ist der Weg dorthin äußerst komplex. Unter diesem Szenario erwarten wir eine Stabilisierung des französischen Aktienmarktes sowie der Spreads zwischen Bundesanleihe und französischer Staatsanleihe.

Szenario 3 – Macron hat einen Plan mit dem Linksbündnis: Das Linksbündnis und das Makron-Lager kommen auf eine Mehrheit von mehr als 50 % der Sitze. Die Mehrheitsmeinung von politischen Analysten ist, dass sich Macron verzockt hat. Es ist aus unserer Sicht nicht auszuschließen, dass das Macron-Lager und das Linksbündnis sich auf Eckpunkte einer Zusammenarbeit einigen könnten. In diesem Szenario würde Macron vermutlich einen Ministerpräsidenten aus dem linken Lager ernennen. Dazu passt auch, dass der ehemalige französische Präsident Hollande, der dem Linksbündnis zuzurechnen ist, auf die politische Bühne zurückgekehrt ist. Die Auswirkungen auf die Märkte sind unter diesem Szenario nicht klar. Macron müsste dem linken Lager Zugeständnisse machen, was eher zu höheren Staatsausgaben führen würde. Die Spreads zwischen Bundesanleihe und französischer Staatsanleihe dürften sich eher ausweiten. 

Neben diesen drei wahrscheinlichsten Szenarien besteht ein viertes Szenario, welches eher sehr unwahrscheinlich ist: Das Linksbündnis gewinnt die Mehrheit der Sitze. Unter diesem Szenario würde es zu einem weiteren Kurssturz an den Aktienmärkten kommen. Die Spreads zwischen französischer und deutscher Staatsanleihe würde sich massiv ausweiten. Im schlimmsten Fall könnte der gesamte Euro-Raum in Mitleidenschaft gezogen werden. 

Wie hat sich der Geostrategy Fund positioniert: Da aus unserer Sicht insbesondere nicht klar ist, wie die Märkte unter dem dritten Szenario reagieren würden und vor allem, welche Zugeständnisse Macron dem Linksbündnis geben würde, haben wir das Portfolio zu rund 20 % abgesichert, indem wir Bundesanleihen long gekauft und französische Staatsanleihen short verkauft haben. Aus unserer Sicht ist dies die beste Möglichkeit, ein Portfolio gegen weitere Verwerfungen aus der Frankreich-Wahl abzusichern. Zudem waren aus unserer Sicht die Spreads zwischen deutscher und französischer Staatsanleihe bereits vor der Ankündigung zu gering unter Berücksichtigung der hohen Unterschiede in der Verschuldung der beiden Staaten.  Der Wert unseres geostrategischen Risikoindizes ist im Juni – im Wesentlichen bedingt durch steigende Stabilitätsrisiken im Euroraum bedingt durch die Unsicherheiten der Wahlen in Frankreich – um 2,6 % gestiegen.  

Aktienquote im Vergleich zu Ende Mai auf 77 % gestiegen

Zu Ende des Monats lag die Aktienquote bei rund 77 % und Anleihen & Cash entsprechend bei 23 %. Die Veränderung ist im Wesentlichen auf ein Neuinvestment in Patrizia zurückzuführen. 

Risiken für die Märkte steigen 

Insbesondere durch die Unsicherheiten über den Wahlausgang in Frankreich und deren Folgen lassen insbesondere die Risiken für die europäischen Märkte kurzfristig steigen. Zudem könnte im zweiten Halbjahr nach der starken Performance von Nasdaq und S&P500 sowie der inzwischen recht hohen Bewertung eine mögliche Konsolidierung der US-Märkte zusätzlichen Druck auf europäische Aktien auslösen. Vor diesem Hintergrund sind wir unsere Hedging-Position (deutsche Anleihen long, französische Staatsanleihen short) eingegangen. Sollten die Gewitterwolken an den europäischen Märkten stärker werden, werden wir unsere Positionierung entsprechend anpassen.  

Bleiben Sie uns gewogen.

Viele Grüße,

Jochen Reichert                             Frank A. Rothauge, CFA                       Kai Uwe Dohne  jr@geostrategyfund.com              fr@geostrategyfund.com                    kd@geostrategyfund.com

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